GPSR: Warnhinweise auf Produktbildern – was muss ins Bild, was nicht?

GPSR Warnhinweise Bilder sind seit Dezember 2024 für viele Seller ein zentrales Thema. Mit Inkrafttreten der EU-Produktsicherheitsverordnung müssen bestimmte Sicherheitsinformationen im Listing sichtbar sein.

Dieser Artikel zeigt, welche Informationen ins Bild gehören, welche in die Galerie und welche in den Text. Dazu drei Fehler, die beim Fotografieren von Sicherheitskennzeichnungen regelmäßig auftreten.


GPSR Warnhinweise Bilder: Rechtliche Grundlage

Was die GPSR im Kern verlangt

Artikel 19 der Verordnung schreibt vor: Warnhinweise, Hersteller- und Verantwortlichenangaben sowie Sicherheitsinformationen müssen beim Online-Verkauf direkt im Angebot zugänglich sein.

Für bildgestützte Plattformen wie Amazon, Etsy oder eBay bedeutet das: Die Kennzeichnung muss in der Bildergalerie auftauchen – zumindest als lesbares Foto der physischen Verpackung oder des Etiketts.

Die Plattformen haben darauf unterschiedlich reagiert:

  • Amazon hat sechs separate Bildslots eingeführt (PS01–PS06), ausschließlich für Sicherheits- und Compliance-Bilder.
  • Etsy empfiehlt, Warnhinweise als zusätzliche Produktfotos hochzuladen, da Grafiken in Beschreibungen nicht möglich sind.
  • eBay bietet ein „Item Disclosures“-System mit Piktogrammen und Sicherheitsaussagen sowie die Option, ein Bild zu ergänzen.

Was gehört wohin?

Hauptbild: keine Warnhinweise

Das Hauptbild hat auf Amazon klare Vorgaben: weißer Hintergrund, Produkt ohne hinzugefügte Texte oder Grafiken. Warnhinweise gehören dort nicht hin.

Ausnahme: Ein Warnhinweis, der direkt auf der physischen Verpackung aufgedruckt ist, ist Bestandteil des Produkts – keine hinzugefügte Grafik. Das ist zulässig.

Bildergalerie: Compliance-Shots

Die PS-Slots auf Amazon und die zusätzlichen Bilder auf Etsy und eBay nehmen Fotos der Verpackungsrückseite, des Etiketts oder der Sicherheitshinweise auf. Das Bild muss lesbar sein – auf dem Desktop und auf dem Smartphone.

Faustregel: Wenn du die kleinste Schriftgröße auf dem Handydisplay noch entziffern kannst, reicht die Qualität.

A+ Content und Beschreibung: ergänzend

Für umfangreiche Inhalte – mehrseitige Anleitungen, Warnhinweise in mehreren Sprachen – eignet sich A+ Content auf Amazon oder das Freitextfeld auf Etsy. Hier lassen sich strukturierte Tabellen einsetzen, die das Bild entlasten.


Drei häufige Fehler

1. Text-Overlay über das Produktfoto

Manche Seller fügen Warnhinweise als Text direkt ins Produktbild ein – als Overlay, ähnlich einem Wasserzeichen. Das verstößt bei Amazon gegen die Bildrichtlinien für mehrere Bildtypen. Darüber hinaus zeigt ein Overlay keine dokumentierte physische Kennzeichnung, sondern nur eine digitale Ergänzung, die am realen Produkt nicht existiert.

Die Anforderung der GPSR zielt auf die tatsächliche Produktkennzeichnung – also das, was auf der Verpackung steht, nicht auf nachträglich eingefügte Texte.

2. Unlesbares Etikett

In der Praxis zeigt sich, dass dies der häufigste Fehler ist: Die Verpackungsrückseite ist fotografiert, aber der Text ist zu klein, das Licht ungünstig oder das Bild leicht unscharf. Technisch ist das Bild vorhanden – praktisch erfüllt es seinen Zweck nicht.

Die zwei Hauptprobleme bei Etikettfotos sind kleine Schrift und Reflexionen auf glänzenden Oberflächen. Beide lassen sich durch Brennweite und Lichtführung kontrollieren – nicht durch nachträgliche Bildbearbeitung. Wer versucht, ein unscharfes oder überreflektiertes Bild in der Nachbearbeitung zu retten, verliert in der Regel mehr, als er gewinnt.

Amazon empfiehlt für PS-Bilder mindestens 1.000 × 1.000 Pixel, besser 2.000 × 2.000 Pixel für Zoomfähigkeit.

3. Einmalig hochladen und nicht aktualisieren

Wenn sich die Verpackung ändert – neuer Lieferant, neue Norm, neues Sprachpaket –, müssen auch die Bilder aktualisiert werden. Eine Abweichung zwischen physischer Kennzeichnung und Listing fällt bei Marktplatz-Kontrollen auf.

Eine Spalte in der Produkttabelle mit dem Datum der letzten Bildaktualisierung reicht als Kontrolle.


Compliance-Fotos: technisches Vorgehen

Für lesbare Etikettfotos braucht es kein spezialisiertes Studio-Setup. Entscheidend sind Brennweite, Lichtführung und eine ruhige Kameraposition.

Equipment:

  • Kamera mit 50–85 mm Objektiv (empfohlen: 85 mm Macro für maximale Detailschärfe bei kleiner Schrift)
  • Stativ
  • Zwei Tageslichtquellen (Softbox oder Schreibtischlampe mit Tageslicht-Leuchtmittel, 5.500–6.000 K)
  • Matte weiße Unterlage

Ablauf:

Vorbereitung. Verpackung reinigen, Etikett auf Vollständigkeit prüfen. Beschädigte oder schief aufgeklebte Etiketten vorher ersetzen – das ist auf dem Foto deutlich sichtbar.

Aufbau. Verpackung flach auf die weiße Unterlage legen, formatfüllend ausrichten. Beide Lichtquellen symmetrisch im 45-Grad-Winkel positionieren, gleiche Höhe, gleicher Abstand. Diese Anordnung verteilt das Licht gleichmäßig und reduziert Reflexionen auf glänzenden Oberflächen. Erfahrungsgemäß reicht bereits ein geringfügig asymmetrisches Setup aus, um störende Hotspots zu erzeugen – vor allem bei Hochglanzlackierung oder Folienverpackungen.

Kameraposition. Senkrecht von oben fotografieren, Stativ verwenden. Die Etikettenfläche muss parallel zum Sensor liegen – schräge Winkel verzerren den Text und erschweren die Lesbarkeit.

Belichtung und ISO. ISO 100 für maximale Schärfe und rauscharme Wiedergabe feiner Schriftzüge. Belichtungszeit so wählen, dass der Hintergrund weiß erscheint, ohne dass Textdetails ausbrennen. Bei kniffligen Lichtsituationen lieber die Lichtquelle näher rücken als ISO erhöhen.

Fokus. Manuell auf die Textzeilen fokussieren, nicht auf das Bildzentrum. Bei 85 mm und geringer Schärfentiefe kann ein Autofokus auf das falsche Detail springen.

Hinweis zu Filtern. Auf Polarisationsfilter sollte bei dieser Aufgabe verzichtet werden. Sie reduzieren zwar Reflexionen, dämpfen aber gleichzeitig die Gesamthelligkeit und verändern die Farbwiedergabe neutraler Weiß- und Grautöne – was bei Etiketten mit farbigen Sicherheitspiktogrammen zu Farbverschiebungen führen kann.

Lesbarkeitstest. Bild auf dem Smartphone öffnen und die kleinste Schriftgröße lesen. Gelingt das nicht: Abstand verkürzen oder Auflösung erhöhen.

Nachbearbeitung. In Lightroom oder GIMP Helligkeit und Kontrast so anpassen, dass der Hintergrund eindeutig weiß ist (Wert 255) und der Text klar davon absticht. Kein Schärfen-Filter über Textflächen – das erzeugt Artefakte und verschlechtert die Lesbarkeit.


Plattformunterschiede im Überblick

Amazon Image Manager Bildslots MAIN FRNT SIDE Beispiel Seller Central
Beispiel: Bildslots im Amazon Image Manager im Amazon Seller Central.

Amazon: PS-Slots im Image Manager unter Seller Central hochladen. Benennungsschema: ASIN.PS01.jpg bis ASIN.PS07.jpg. Die Slots erscheinen im Bildkarussell nach den Hauptbildern und sind vom Käufer anklickbar.

Etsy: Keine separaten Compliance-Bereiche vorhanden. Sicherheitsbilder als reguläre Produktfotos hochladen (bis zu zehn Bilder möglich). Sinnvoll als letztes Bild in der Galerie platzieren.

eBay: Item Disclosures für standardisierte Piktogramme und Sicherheitsaussagen nutzen. Bei umfangreicheren Anforderungen ein Produktbild mit physischer Kennzeichnung ergänzen.


Was als ausreichend gilt

Ein lesbares Foto der physischen Produktkennzeichnung erfüllt Artikel 19 GPSR in der Regel. Es muss kein Fließtext im Listing stehen, solange die Information für den Käufer klar zugänglich ist.

Bei Produkten mit erhöhtem Risikopotenzial – Elektrogeräte, Chemikalien, Kinderartikel – empfehlen Rechtsexperten, die wichtigsten Warnhinweise zusätzlich als Text in die Beschreibung aufzunehmen.

Dieser Artikel behandelt die fotografische Seite der GPSR-Umsetzung und ersetzt keine Rechtsberatung. Produktspezifische Fragen gehören zum Fachanwalt oder Händlerbund.


FAQ

Muss das Hauptbild Warnhinweise zeigen?

Nein. Das Amazon-Hauptbild muss einen weißen Hintergrund haben und darf keine hinzugefügten Texte enthalten. Warnhinweise gehören in die PS-Slots.

Was ist der Unterschied zwischen PS01 und PS02–PS06?

PS01 ist der primäre Sicherheits-Slot, den Amazon bevorzugt ausließt. PS02–PS06 sind für weitere Compliance-Bilder gedacht – Verpackungsrückseite, CE-Zeichen, mehrsprachige Hinweise.

Gilt GPSR auch für handgefertigte Produkte auf Etsy?

Ja. Die Verordnung gilt für alle Verbrauchsgüter, die in der EU verkauft werden. Die konkreten Anforderungen hängen vom Produkt ab – bei einem handgenähten Textil fallen sie deutlich geringer aus als bei einem Elektrogerät.

Mein Produkt hat keine Verpackung – wie vorgehen?

Warnhinweise können als separates Schild neben dem Produkt fotografiert, als Infografik hochgeladen oder als Text in der Beschreibung hinterlegt werden. Entscheidend ist, dass die Information auffindbar und lesbar ist.

Wie oft müssen Compliance-Bilder aktualisiert werden?

Bei jeder Änderung der physischen Kennzeichnung: neuer Lieferant, geänderte Normen, neues Sprachpaket.


Zusammenfassung

GPSR ist kein Panik-Thema. Es ist eine formale Anforderung, die sich mit vertretbarem Aufwand sauber umsetzen lässt – vorausgesetzt, man versteht, was die Verordnung tatsächlich verlangt.

Warnhinweise gehören nicht ins Hauptbild, sondern in die Bildergalerie. Die physische Kennzeichnung fotografieren, kein Text-Overlay. 85 mm, ISO 100, symmetrisches Licht, senkrecht von oben. Lesbarkeit auf dem Smartphone prüfen. Bilder bei Verpackungsänderungen aktualisieren.

Wer das einmal als festen Bestandteil seines Produktfoto-Workflows einrichtet, hat das Thema dauerhaft erledigt.

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